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  • Lidija

Eine Geschichte, in der der Hauptprotagonist eine Tasche ist!

Heute wollte ich euch einmal von meinem gestrigen Tag erzählen. Meine Assistentin, die mir bei meiner Pflege assistiert, hatte gestern frei. Aus diesem Grund, bin ich gestern ganz alleine, mit meinem Freund ausgegangen.

Gestern war der erste Tag, in diesem Jahr, an dem ich keine Wärmflasche gebraucht habe, um meine Körperwärme zu halten. Sie verstehen das jetzt nicht? Ganz klar, wenn Sie ein gesunder Mensch sind, haben sie kein Problem, ihre Körperwärme konstant zu halten. Ich bin schwerst körperbehindert und leide an eine seltene Art von Muskelschwund.

Die Muskeln, wenn sie benutzt werden und warmlaufen, wärmen ihren Körper, jetzt ganz vereinfacht erklärt. In meinen Körper gibt es so gut wie keinen, einzigen Muskel mehr, der noch gesund ist.

Ich kann den Computer nur noch vermindert, durch Sprachsteuerung, benutzen und tippe diesen Text hier mit einer Sprachsteuerung. Damals, als ich noch jung war, hat man uns in der Handelsschule beigebracht ganz schnell auf der Tastatur zu schreiben. Meinen ersten Maschinenschreib-Unterricht bekam ich schon in der fünften Klasse, in einer der wenigen, Wiener Behindertenschulen.

Damals wollte man uns Behinderten, noch dazu anleiten, bessere Sekretäre zu werden. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als die Professorin meine Tippgeschwindigkeit gemessen hat und ich 500 Anschläge in der Minute hatte. Wenn man mir heute eine Tastatur vorlegt und mir eine Waffe, an den Kopf hält, könnte ich nicht mal 5 Anschläge in der Minute schaffen. Ich meine, auch gesunde Menschen, lernen in ihrer Kindheit Sachen, in der Schule, die sie dann, wenn sie erwachsen sind, nie gebrauchen können.

Doch gestern sollte ein schöner Tag werden, zusammen mit meinem Geliebten, auf der Mariahilferstraße flanieren und schön essen gehen. Ich hatte noch nicht genau gewusst, wo ich gerne essen gehen wollen würde.

Gestern war erst der dritte Tag, in diesem Jahr, an dem ich das Haus verlassen konnte. Mein erster Ausflug in diesem Jahr führte mich an den Westbahnhof und dann in die Lugner City. Ob es Zufall war oder nicht, kann ich jetzt nicht sagen, aber an diesem Tag war auf meinen Spaziergang vermehrt Polizei zu sehen. Ich dachte schon, an das schlimmste und ging immer den, mehr werdenden Polizeiautos hinterher.

An dem Tag, war in der Lugner City der EU-Wahlkampfauftakt der FPÖ, Redner waren unter anderen HC Strache, Gudenus und Vilimsky. Wer hätte damals gedacht, dass wir den Strache und den Gudenus sobald nicht mehr sehen würden…

Am zweiten Ausflugstag musste ich zum Arzt, wie ich euch auch schon hier erzählt habe. Gestern sind wir schön über den grünen Streifen am Gürtel bis zur Mariahilferstraße spaziert und als wir dort waren, erinnerte ich mich an meinen Lieblings Japaner, zu dem ich jetzt gehen wollte. Wenn es mich überkommt, dieses Verlangen nach einem guten und frischen Sushi, ist das der erste Laden, den ich aufsuche.



Das Essen war toll, der Japaner hatte seine Terrasse überdachen lassen und das ganze Lokal wirkt nun viel offener. Er ist genau gegenüber dem H&M, in der Passage und mein absoluter Geheimtipp, wenn es um gutes Sushi geht. Gestern war auch das passende Wetter, ja sogar ich, kam ins Schwitzen und der Calpis-Saft schmeckte herrlich kühlend. Ich denke, vielen gesunden Menschen geht es ähnlich wie mir, nach dem Essen, muss ich bald aufs Klo.

Mit meinem Freund, bin ich mobil, soweit, doch auch er ist leider nicht mehr der Jüngste (wir kennen uns schon über 15 Jahre) und er kann mich, wenn ich draußen bin, nur noch schwer, alleine, aufs Klo geben.

Dazu muss ich ein wenig ausholen, geschätzter Leser, den Sie können nicht wissen, wie ich draußen aufs Klo gehe. Niemals Sätze ich mich auf eine Toilette! Weil ich es nicht kann, da ich zwei Metallstangen habe, die mein ganzes Rückgrat versteift gerade halten. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich Ihnen ein andermal erzählen werde. Aus diesem Grund, kann ich gar nicht auf einer Toilettenbrille Halt finden, ohne Schmerzen.

Ein schwerbehinderter Mensch wie ich benutzt für gewöhnlich eine sogenannte Leibschüssel. Das ist so ein rundes Etwas, dass man unter den Arsch geschoben bekommt. Vielleicht waren Sie schon einmal im Krankenhaus und mussten selber auf so etwas sitzen. Oder Sie haben schon mal etwas davon gehört. Zu Hause ist das alles nicht so schwer, denn ich habe ein Krankenhausbett, auf dem kann man mich super drauf legen und dann nackt machen und mich auf die Schüssel setzen. Wie dem auch sei, er legte mich souverän, auf meine Picknickdecke, im nächsten behindertengerechten WC, dass uns über den Weg lief.

Dann machten wir uns langsam auf den Heimweg. Auf der Mitte der Strecke, überkam mich ein ungutes Gefühl und ich bat, mein Freund, nach dem Schlüssel in meiner neuen Tasche zu schauen.

Ach, Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich mir eine neue Tasche für, an den Rollstuhl, besorgt habe. Ich hatte schon die große Befürchtung, die sie sei zu groß und klumpig um sie, vorne an den Joystick des Rollstuhls zu hängen. Aber meine Freunde in Facebook, haben mir bestätigt, dass sie gut aufsähe und es momentan modern sei, riesige Taschen zu tragen.



Normalerweise gehe ich nicht mit der neuesten Mode, aus diesem Grund, frage ich euch, lieber Leser, was eure geschätzte Meinung zu meiner neuen Tasche ist? Hierzu poste ich natürlich ein Bild von der Tasche. Kurz, bewunderten wir, meine neue Tasche und er sucht und sucht und… Was glaubt sie?

Er sagt: der Schlüssel ist nicht drinnen.

Es traf mich wie einen Blitz, denn am Vortag, hatten wir ja den Stress mit dem Arzt und da könnte es doch geschehen sein, dass meine Assistentin vergaß, ihn wieder an seinem neuen Stammplatz zu legen. Ich habe auch ein Handy zu Hause gelassen, doch natürlich, hatte mein Freund die Nummer von meiner Mutter eingespeichert und so war es kein Problem sie zu erreichen.

Sie sei nicht weit weg und werde sicher in einer Viertelstunde da sein, sagte meine Mutter.

Mein Gott, kam ich mir unfähig vor! Von wegen selbstbestimmt und integriert, nicht einmal meinen Schlüssel konnte ich, im Auge haben. Doch der Schlag sollte mich noch treffen. Als wir in der Wohnung waren, schaute meine Mutter selber nach. Wollen Sie raten, lieber Leser? Wo war der Schlüssel? Meine Mutter Fische ihn nach 10 Sekunden aus der Tasche!

Da ich, wie Sie wissen, behindert bin und keinen Finger selber krumm machen kann, muss ich mich natürlich darauf verlassen, was der Mensch mir sagt, der gerade für meine Pflege zuständig ist! Ich liebe meinen Freund, doch Männer kennen sich selbstverständlich, in weiblichen Taschen nicht aus! Das ist die Moral der Geschichte. Am Ende war es ein schöner Tag gewesen!

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